Eine 150-jährige Traditionsgeschichte der Zuckerlherstellung
Mit den Besuchen in der Wiener Zuckerlwerkstatt am 15. und 22. November 2023 endete ein sehr erfolgreiches und aufregendes Kulturjahr 2023 der Sektion Reisen und Kultur der Sportvereinigung Sozialministerium.
Die insgesamt 73 Teilnehmer:innen erhielten einen Einblick in die 150-jährige Traditionsgeschichte der Zuckerlherstellung. Der Chef persönlich, Christian „Chris“ Mayer, hat uns an beiden Terminen in Empfang genommen und uns einen Einblick in die Geschichte und Produktion der süßen Glücksmomente beschert.
Schon beim Betreten der Zuckerlwerkstatt in der Führichgasse wurde man vom zarten Duft vom warmen Zucker empfangen. Dies sollte jedoch nicht der einzige olfaktorische Glücksmoment in den nächsten beiden Stunden sein. Während der Begrüßung und der Einführung von Chris kamen zwei Mitarbeiter:innen mit einem Topf des flüssigen Glücks aus der Küche und verteilten die heiße Masse auf einem Tisch. Dort wurde die Masse mit einer Spachtel immer wieder gewendet und mit einer Schere geschnitten. Unter Zugabe von natürlichen Farbstoffen wurde die Masse so lange bearbeitet, bis sie die richtige Konsistenz zur Weiterbearbeitung hatte. Je nachdem, welche Art der süßen Köstlichkeit hergestellt wird, ist auch das Weiterverarbeitungsverfahren unterschiedlich. So kann es sein, dass die Masse über einen Haken gezogen werden muss, um Luft einzuschlagen. Bis jedoch so eine kleine süße Köstlichkeit fertig ist, bedarf es viel handwerklichem Geschick und Muskelkraft.
Für ein Motivzuckerl werden zuerst die einzelnen Teile geformt, um diese dann zu einer großen Zuckerlrolle zusammenzusetzen. Diese Rolle wird unter ständigem Drehen, allfälligem Einstechen mit einer Schere, um Luftblasen zu entfernen, und immer Wiedererwärmen so lange bearbeitet, bis am Schluss ein Zuckerl mit einem Durchmesser von 11 bis 13 Millimeter entsteht.
Während der ganzen Geschehnisse lauschten die Teilnehmer:innen gespannt den Erzählungen von Chris über die Entstehungsgeschichte und die Tradition der Zuckerlherstellung in Wien, die ihre Blütezeit hatte, als die Gebrüder Heller von Wien aus die ganze Welt belieferten. Diese Originalrezepte werden Dank eines Nachfahrens der Gebrüder Heller auch heute wieder in der Zuckerlwerkstatt hergestellt. Neben den Geschichten gab es auch Kostproben für Gaumen und Nase. Zuerst wurde unser Geruchssinn getestet, indem wir von kleinen Fläschchen eines Duftproben-Koffers den jeweiligen Geruch erraten durften – was auch den meisten Teilnehmer:innen gelungen ist. Ebenso wurde uns gezeigt, wie sich der Geschmack eines Zuckerls zu einer Geschmacksexplosion entwickelt: Nase kurz zuhalten, Zuckerl in den Mund nehmen, das Zuckerl kurz lutschen und anschließend die Nase wieder öffnen. Die dadurch freigesetzten Sinne verstärken das Geschmacks- und Geruchserlebnis enorm.
Während und nach der Führung prasselten zahlreiche Fragen auf Chris ein, die er mit viel Charme sehr ausführlich beantwortet hat. Am Ende bekam jede:r Teilnehmer:in eine Kostprobe der eben hergestellten Köstlichkeiten mit nach Hause. Schließlich nutzten die Teilnehmer:innen noch die Möglichkeit zum weiteren Einkauf in der Zuckerlwerkstatt.